Anlässlich der diesjährigen Blogparade des PMCamps in Dornbirn breche ich wie Andreas Zeuch heute auch ein Muster. Ich zeichne kein Bild.

Das Thema ist mir irgendwie auf den Leib geschneidert. Wahrscheinlich, weil ich als “Musterbrecher” auf die Welt gekommen bin :-). Spätestens als ich nach Ende der 4.Klasse meine Eltern darüber informierte, dass ich den heimischen Bäckereibetrieb nicht übernehmen und das Gymnasium besuchen werde um anschließend zu studieren, war dieser Weg vorgezeichnet.

Im Ernst – ich glaube das Muster brechen nichts Außergewöhnliches ist. Jeder bricht Muster – immer wieder, und zwar genau dann, wenn er etwas verändern möchte. Veränderung entsteht bei mir immer dann, wenn ich mit einer Situation unzufrieden oder die Vision habe, dass ein alternativer Weg der bessere ist. Aus diesem Grunde möchte ich in diesem Blogbeitrag nicht die generelle Sicht des “Musterbrechens” beleuchten, sondern vielmehr auf persönliche Aspekte eingehen und Erfahrungen schildern, die mit dem Musterbrechen einhergehen. Da diese Blogparade im Kontext des Projektmanagements steht, möchte ich nachfolgend von drei Beispielen berichten und die resultierenden Reaktionen, Empfindungen und Emotionen darlegen.

Eines vorab – der Versuch Muster zu brechen kann frustrierend aber auch unglaublich motivierend und positiv sein.

 

1.) Veränderung von Innen

Ihr bemerkt, dass Eure Firma auf dem Holzweg ist? Dass sie unwillig ist, sich zu ändern und in alten Zeiten schwelgt? Ich habe mich diesem Szenario in folgendem Blogartikel schon einmal ausführlich gewidmet. Nun, ich habe diese Situationen mehrfach erlebt und versucht diese eingefahrenen Muster zu brechen. Beispielsweise habe ich es mir in meiner Funktion als Teamleiter erlaubt mit meinen Teams anders (also nicht zwingend unternehmenskonform) zu verfahren und neue Wege zu gehen. Das Ergebnis war zweischneidig. Das Klima im Team war großartig, die erwirtschafteten Zahlen wunderbar. Mein Verhältnis zu meinen Kollegen auf der gleichen Ebene kühlte ab, meine Beziehung zur Geschäftsführung war plötzlich von großem Misstrauen geprägt. Ein komisches Gefühl – auf der einen Seite fühlt man sich richtig wohl, auf der anderen Seite wächst die zwischenmenschliche Spannung immer mehr. Ich beschloss also unsere Vorgehensweisen und Prinzipien dem Rest explizit vorzustellen, damit der Rest der Firma sich zumindest einmal überlegen kann, ob sie gewisse Dinge adaptieren oder in die Diskussion mit mir gehen. Leider kristallisierte sich dieses Vorgehen als keine gute Idee heraus (also eigentlich schon, aber in diesem Umfeld nicht). Die Spannungen nahmen weiter zu und anstatt einer Annäherung ist die Kluft leider größer geworden.

Muster brechen kann verdammt viel Kraft kosten!

2.) Projektplan – nein danke!

Ich wurde als externer Projektleiter für globales Rolloutprojekt engagiert. Beim Vorstellungsgespräch wurden mir schon folgende Eckpunkte klar gemacht:

  • Wir haben ein festes Projekt-Framework – nach diesem Muster müssen alle Projekte ablaufen
  • Agil geht bei uns gar nichts – wir machen alles nach Prince/Pmbok/…
  • Projekte werden im Headquarter definiert – alle anderen Länder führen lediglich aus
  • Mindestens alle 2 Wochen findet ein Lenkungsausschuss statt.

Fein, dachte ich. Alles für das ich nun nicht zwingend stehe, wird hier eingefordert. Aber fangen wir doch mal an..Ich machte mich ich also ans Werk. Erst mal zuhören, Informationen sammeln und das Ganze strukturieren. Schnell wurde mir klar, dass in dem Projekt so gut wie nichts bekannt war. Das auszurollende Produkt war noch nicht ansatzweise definiert, Stakeholder waren ein Fremdwort aber ein fixer Zeitplan über die nächsten 2-3 Jahre sollte zeitnah erstellt werden. Denn das Einzige, das fix war, waren die Termine des Lenkungsausschusses.  Ich habe also nach bestem Wissen und Gewissen einen Projektauftrag erstellt und bin mit diesem in den ersten Ausschuss. Nach gefühlten 3 Minuten wurde ich vom CIO nach dem Projektplan gefragt. “Gibt es bei mir nicht”, war meine Antwort. Totenstille. Ich bin fortgefahren und habe Ihnen erklärt, dass es keinen Sinn macht einen Projektplan über 2-3 Jahre bei einem Projekt vorzulegen, bei dem ca. 15% bekannt sind. Darüber hinaus machte ich dem Auditorium auch klar, dass ich keine Lust hätte, mich jahrelang für einen Projektplan zu rechtfertigen, der ohnehin falsch ist. Ungläubiges Staunen. “Aber wir brauchen einen Plan”. Meine Antwort war: “Dann sollten Sie einen anderen Projektleiter nehmen” (ehrlich gesagt, war mir schon etwas mulmig bei der Aussage). Wieder Totenstille. Dann können wir ja weitermachen, dachte ich mir, und stellte im nächsten Schritt vor, dass wir das Projekt – zumindest bis zum Rollout selbst – aus oben genannten Gründen agil gestalten werden. Ferner erläuterte ich auch noch, dass wir das Projekt transparent gestalten werden und alle anderen Länder frühzeitig aktiv involvieren. >> jetzt bin ich definitiv raus << dachte ich mir. Aber nun passierte etwas Sensationelles, denn anscheinend war meine Argumentation in sich schlüssig.  Die doch etwas verdutzten Manager sagten “o.k., lasst uns mal versuchen ein Muster zu brechen, aber dafür machen wir bitte jede Woche einen Lenkungsausschuss”. Damit konnte ich gut leben.

Das Projekt lief insgesamt 2,5 Jahre und wir beendeten es erfolgreich. Über der gesamten Zeitraum fanden sage und schreibe 7 Lenkungsausschüsse statt :). Die Mitglieder des Lenkungsausschusses kamen bei Interesse persönlich vorbei und durch die gelebte Transparenz waren ohnehin alle stets bestens informiert.

Muster brechen kann wirklich etwas bewegen.

3.) Visualisieren

Wir wären ja nicht Visual Braindump, wenn wir nicht auch etwas zum Thema Visualisierung schreiben würden. Vor einigen Jahren wurde ich gefragt, ob ich einen Vortrag auf einem firmeninternen globalen Manager-Meeting halten könne. Ich sagte zu, allerdings unter der Prämisse den Vortrag auf meine Art halten zu dürfen. Sie waren einverstanden.

Nun zeichnete ich meinen Vortrag, zwar hatte ich die Bilder auf PowerPoint-Folien kopiert, aber es waren eben ausschließlich selbst erstellte Bilder. Mein Vortrag war als vierter an der Reihe. Die drei Vorgänger waren rhetorisch gut, aber die Folien waren klassische Unternehmens-Powerpoint-Bulletpoint-Text-Blabla-Dinger. Während meines Vortrages versuchte ich auf die Gesichter im Publikum zu achten. Sie lachten, schmunzelten und stellten Fragen. Fein fachte ich mir – gut gelaufen.

Jahre später traf ich per Zufall einen der brasilianischen Zuhörer der damaligen Konferenz wieder. Er begrüßte mich mit den Worten: “Hey Christian, this was not like an IT-presentation, this was fun!” Wow, der hat sich doch tatsächlich an die Präsentation erinnert. Wahrscheinlich nur deswegen, weil ich ein Muster gebrochen habe..Muster brechen kann persönlich wunderbar sein.

Was bleibt abschließend zu sagen?

  • Um Muster brechen zu können, müssen vorhandene Muster erkannt werden
  • Muster brechen erfordert kein spezielles Umfeld
  • Muster brechen erfordert Mut für Dinge einzustehen, die (persönlich) für richtig gehalten werden
  • Muster brechen erfordert Achtsamkeit – nicht jeder eingeschlagene Weg ist richtig
  • Muster brechen erfordert gute Argumente
  • Muster brechen erzeugt Reize (positive wie negative)
  • Muster brechen schafft Angriffsfläche – “Musterbrecher” müssen lernen damit umzugehen
  • Muster brechen ist ein unabdingbarer Vorgang um Veränderungen zu erzeugen
  • Muster brechen kann frustrieren
  • Muster brechen kann Spaß machen

Viele Grüße,

Christian

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