Unternehmensdemokratie – das Würfelspiel

Die “Unternehmensdemokratie”

Am vergangenen Donnerstag besuchten wir ein gelungenes Event bei der Interface AG. Als Teil der Veranstaltung präsentierte uns Dr. Andreas Zeuch seine Interpretation der Unternehmensdemokratie (#allemacht) mit anschaulichen Beispielen und einer anschließenden offenen Diskussion.

Vielen Dank an die Interface AG und Andreas für die Veranstaltung, den schönen Rahmen und den Platz für anregende Gespräche 🙂

Unternehmensdemokratie, was ist das?

  • Entscheidungen werden durch Mitarbeiter getroffen (operativ, taktisch und strategisch)
  • Es herrscht hohe Informations-Transparenz über das gesamte Unternehmen hinweg
  • Jede einzelne Person im Unternehmen ist verantwortlich und sich dieser Verantwortung bewusst
  • Jede einzelne Person im Unternehmen trägt zum Erfolg bei und profitiert (z.B. durch Beteiligungen)

Weitere Informationen und die zugehörige Buchempfehlung gibt es unter: http://www.unternehmesdemokraten.de

Aus dem Vortrag habe ich unter Anderem folgende Erkenntnis gewonnen: Unternehmensdemokratie erfordert Regeln. Regeln, die das demokratische Umfeld im Unternehmen steuern. Beim Steuern sollten die Einzelpersonen in ihrem Handeln und in ihrer Handlungsfähigkeit unterstützt werden. Dabei gilt es, Rücksicht auf die Kollegen und Kolleginnen zu nehmen. Natürlich soll das unternehmerische Ziel dabei nicht aus den Augen verloren werden.

Das klang für mich einleuchtend. Gleichzeitig stelle ich mir die Umsetzung der Idee als sehr schwierig vor.

An dieser Stelle kam mir folgende Metapher in den Kopf.

Das Würfelspiel

Das Jahr 2015 ist für mich das Jahr der runden Geburtstage. Zuletzt kam ein Würfelspiel zum Einsatz. Grundsätzlich ist es ein Trinkspiel aber es funktioniert ebenfalls mit alkoholfreien Getränken sehr gut. Durch etwas Recherche habe ich erfahren, dass es viele Namen (und Varianten) für das Spiel gibt. Daher fange ich direkt mit den (einfachen) Regeln an:

WürfelbecherDas Würfelspiel kann mit 2 – x Spieler gespielt werden. Jeder Spieler hat ein volles Getränk seiner Wahl. Es wird nacheinander gewürfelt. Das Würfelergebnis ist für alle Teilnehmer/innen sichtbar. Jedes Würfelergebnis hat eine Aktion zur Folge. Die möglichen Würfelergebnisse und ihre Bedeutungen aus Perspektive des Spielers am Zug:

  1. Die Person links von mir trinkt einen Schluck
  2. Die Person rechts von mir trinkt einen Schluck
  3. Nichts geschieht
  4. Ich denke mir eine Spielregel aus, die für alle Spieler/innen am Tisch gilt
  5. Ich selber trinke einen Schluck
  6. Alle Spieler/innen trinken einen Schluck

Das Spiel geht so lange weiter, bis die Lust auf das Spiel verflogen ist. Das war die kurze Variante des Regelwerks. Es gibt allerdings noch eine Ergänzung zur “4”, die mich auf die Metapher gebracht hat:

Wenn ich mir nach dem Würfeln der “4” eine Regel ausdenke, entscheide ich nicht alleine, ob diese angewendet wird. Mein Vorschlag muss von allen Mitspieler/innen akzeptiert werden. Solange das der Fall ist und die Regel das Spiel nicht beendet, wird die Regel im weiteren Verlauf angewendet. Die Regel kann mit einer neuen “4” auch wieder abgesetzt werden (Wenn wieder alle Teilnehmer/innen zustimmen). Bei Verstoß gegen die Regel muss die entsprechende Person natürlich wieder einen Schluck trinken.

So kommt es zu lustigen Spielen, in denen z.B. kein “Du” mehr verwendet werden darf, Gespräche “nur singend” abgehalten werden oder die nonverbale Kommunikation im Fokus steht.

Die Verbindung

Für mich gestaltet sich Unternehmensdemokratie ähnlich (alle sitzen und trinken).

Nein, tatsächlich ist das Würfelspiel für mich Teil einer Metapher zur Veranschaulichung. Wie sieht der Handlungsspielraum einzelner Mitarbeiter/innen bei einer Unternehmensdemokratie aus? Und welche Spielregeln benötige ich, um die Unternehmung zu erhalten?

Ich stelle mir diesen Handlungsspielraum mit seinen Regeln als “Käfig im Käfig” vor. Veranschaulicht und zum Vergleich:

Käfig im KäfigDer goldene Käfig ist der Handlungsspielraum, den ich mit dem Befolgen klassischer Regeln (“Top-Down-Mentalität”) ausfüllen kann. Solange ich mich darin bewege handle ich im vollen Interesse meiner Vorgesetzten (bewusst nicht: “Unternehmerisch” oder “im Sinne der Unternehmung” genannt). Solange ich den Käfig nicht verlasse, kann ich sicher sein, dass ich mich an die Regeln halte und nicht mit Konsequenzen für mein Handeln rechnen muss.

Der schwarze Käfig ist der Spielraum, den ich mit der notwendigen Unterstützung ausfüllen kann (wenn die Tür des goldenen Käfigs geöffnet wird). Er stellt den Raum dar, der im Interesse der Unternehmung ist. Hier spielen sich Dinge wie z.B.: Verbesserungsvorschläge, Eskalation, Diskussion und Veränderung ab. Wenn ich mich in diesem Käfig bewege, kann ich mit meiner Meinung durchaus “anecken”. Gleichzeitig kann ich etwas bewegen und die Früchte meines Handelns tragen. Sicherlich befinde ich mich aber noch im Rahmen des Handlungsspielraumes meines Unternehmens. Es gelten noch immer die Regeln, an die sich alle Beteiligten halten müssen. Was sich in diesem Bereich abspielt, hat viel mit Toleranz und Rücksicht zu tun. Toleranz gegenüber der einzelnen Person und Rücksicht auf die anderen Akteure im Unternehmen.

Alles außerhalb des schwarzen Käfigs ist nicht mehr im Sinne der Unternehmung, widerspricht den demokratischen Prinzipien, basiert nicht auf Toleranz und Rücksicht… Für mich ist es die Grenze, ab der ich in einer der genannten Formen über die Strenge schlage. Hier ist Anleitung, ein Hinweis und eigene Erkenntnis notwendig, um wieder Teil der Unternehmung zu werden.

Das Würfelspiel ist eine Metapher, welche Regeln gelten müssen und ein Hinweis, wie sich die Unternehmung über die Grenzen der klassischen Regeln entwickeln kann.

Zum einen gibt unabänderliche Regeln, an die sich das gesamte Unternehmen halten muss (Würfelspiel-Ergebnisse:  “1”, “2”, “3”, “5” und “6”). Die Regeln mögen notwendig sein, da es z.B. wiederum gesetzliche Vorgaben gibt, das Gehalt pünktlich zum Ende des Monats überwiesen werden soll oder Informationen zur richtigen Zeit am richtigen Ort verfügbar sein müssen.

Dann gibt es die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen (Würfelspiel-Ergebnis: “4”). Solange die Zustimmung aller Mitarbeiter (Mitspieler) aussteht, bleibt die vorgeschlagene Idee ein Vorschlag. Findet sie Zustimmung gilt die Idee (für Alle). Gefällt die Idee nicht, kann sie durch dasselbe Prinzip wieder geändert oder abgebrochen werden.

Mit dieser Metapher wirkt die Idee der Unternehmensdemokratie weniger kompliziert. Vor Augen gehalten scheint mir die virtuelle Grenze durch die genannten Spielregeln direkt greifbar.

Wollt ihr mitwürfeln? 🙂

WuerfelDemokratie

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