Seit 15 Jahren bin ich nun als Berater und Projektleiter in der IT unterwegs. Als den klassischen Berater habe ich mich nie gesehen, vielleicht liegt es auch an meiner nicht gerade ausgeprägten Affinität zu Krawatten. Mit Visual Braindump wollen wir mehr Farbe, Gefühle und Bilder in die Business-Welt bringen, warum das so wichtig ist, möchte ich mithilfe einer kleinen realen Geschichte erläutern.

Dienstag, 9:00 Uhr – Aufmarsch der Pinguine!

Es ist Dienstagmorgen, die Sonne scheint und ich bin gespannt, was der anstehende Informations-Workshop so bringt. Da es ziemlich warm ist, habe ich auf ein Sakko verzichtet und trage ein schwarzes Hemd und eine Jeans. Rund 40 Personen von 8 verschiedenen Firmen sind geladen. Die Bestuhlung des Raumes ist in Hufeisen-Form, das fahle Licht des Raumes ohne Fenster ist auf exakt 80% der Maximal-Stärke eingestellt. Der Beamer brummt leise vor sich hin und die Luft ist noch ok. Nach und nach füllt sich der Raum. Ich beobachte und zähle.

34 schwarze oder anthrazitfarbene Anzüge und 5 schwarze Kostüme. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass hier heute jemand beerdigt wird. Gut, es gibt ein paar rote Krawatten und ein paar blaue, aber irgendwie wirkt dieser zuvor schon kühle Raum jetzt wie ein lebloser Kühlschrank. Als Nächstes startet die Vorstellungsrunde: Name, Funktion, Firma. Ich dachte, irgendwann die letzten Jahre, dass Jobtitel nicht mehr so wichtig sind – Pustekuchen! Titel gibt es – unfassbar (für mich ein Grund mehr, wieder einmal auf www.beratersprech.de  zu gehen und neue Vokabeln zu lernen)!  Randnotiz: Was mir übrigens als Einziges in von der Vorstellungsrunde Erinnerung blieb, war die Vorstellung einer Dame mit den Worten „Ich heiße xyz und komme auch von der Firma abc!“. Großartig und frech zugleich – hatte sie etwa gar keinen Jobtitel?

Es konnte losgehen:  Die Präsentation startete in den Farben grau, schwarz und blau. Ich trug nicht wirklich etwas zu dem Meeting bei und stellte mir die ganze Zeit über folgende Fragen:

  • Nehme nur ich diese Situation so kalt und unpersönlich wahr?
  • Sind die Menschen glücklich, bei dem was sie hier tun?
  • Warum lacht hier niemand?
  • Warum zieht keiner was anderes an?
  • Ist diese Situation einfach ein Abbild des täglichen Arbeitswahnsinns, sprich, funktionieren alle nur und spielen die Ihnen aufgetragene Rolle?
  • Warum stellt niemand die wirklich wichtigen Fragen?
  • Weshalb wird nur gesendet?

Nein ich war hier nicht im Kühlschrank, sondern in der Antarktis gemeinsam mit einer Horde Pinguine. Der Termin dauerte mehrere Stunden und war eine Mischung aus Frontalbeschallung, Bullshit-Bingo, Höflichkeitsfloskeln gepaart mit eine wenig Brunftgehabe diverser Alphamännchen. Ein ganz normales Meeting eben. Summa summarum war der Termin für mich verlorene Zeit, der mich darüber hinaus noch frustriert hat!

Die Business-Pinguine
Die Business-Pinguine

Ich glaube, dass diese Situation ein Spiegelbild der aktuellen Businesswelt- besonders in Großkonzernen – wunderbar reflektiert. Nicht Auffallen oder gar Anecken, die Erwartungen erfüllen, die Form wahren und einfach mitspielen.

Meine Erfahrung zeigt mir, dass es auch anders und vielleicht besser geht: Wie sagt einmal ein Manager einer Schweizer Bank zu mir: „Wir wollten einen Berater, der sich mit uns und unseren Problemen auseinandersetzt, wenn wir eine Lösung von der Stange gewollt hätten, dann hätten wir Consulting-Guru-Firma XY genommen, da weißt Du, was Du bekommst. Entweder Lösung 1 aus Schublade A oder 2 auf Schublade B“.

Daher sage ich, ruhig mal was anders machen, mutig sein, Fragen stellen und nicht immer nur mitschwimmen (kann übrigens auch im Anzug mit schwarzer, roter oder blauer Krawatte funktionieren)

 

Und nach den Beratern kommt das nächste Mal der Einkauf dran!

Wünsch Euch eine schöne Woche,

Christian

 

Ach ja, wer glaubt, dass Pinguine ach so nette Kerlchen sind, der möge sich doch einmal folgenden Artikel zu Gemüte  führen 😉

 

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